Kein Winterwetter in Sicht

Der Jänner ist noch jung, aber mit großer Wahrscheinlichkeit heißt es in drei Wochen: Der Jänner 2020 war zu mild und zu trocken. Denn eine halbwegs winterliche Wetterlage ist frühestens übernächste Woche (ab 21.1.) zu erwarten. Das eisige Titelbild betrifft an diesem Wochenende eine ganz andere Region, mehr dazu am Ende.

Herzlich Willkommen zur Wochenvorschau. Sehen wir uns gemeinsam den mittelfristigen Trend der Wetterkarten an, also den Vorhersage-Zeitraum bis zu zehn Tagen, der im Detail noch nicht sehr sicher ist, aber von der groben Linie oft ziemlich gut stimmt.

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Viele Sonne, stellenweise nebelig trüb

Die nächste Woche (12.-19.1.) lässt sich in wenigen Sätzen zusammenfassen: Nach Österreich strömt die gesamte Woche recht milde Luft vom Atlantik, meist aus West bis Südwest. Außerdem bleiben wir durchgehend im Bereich von Hochdruckgebieten, daher scheint in vielen Regionen die gesamte Woche die Sonne. Die klassische Unsicherheit ist bei derartigen Wetterlagen im Winter: Wo bildet sich Nebel und wie lange hält er sich.

Milde Luft vom Atlantik: Nächste Woche strömt die Luft aus dem Westen und Südwesten nach Österreich. Damit ist es (außerhalb der Nebelgebiete) deutlich zu warm für Mitte Jänner. Credit: windy.com

10 °C und mehr

Mit Sonne und Föhn sind nächste Woche knapp über 10 °C zu erwarten. Auf den Bergen hat es bis weit hinauf Plusgrade. In 1500 Meter Höhe hat es zum Beispiel um die 5 Grad. Nur in den Nebelregionen bekommt man von diesem Jänner-Frühling nicht viel mit. Da hat es nur um die 0 °C.

Kalte Polarluft strömt aus aktueller Sicht frühestens ab dem übernächsten Montag (20.1.) nach Österreich.

Die Hoffnung für Winter-Fans: Ab Sonntag (19.1.) gibt es vorsichtige Anzeichen für eine kalte Nordwest-Strömung. Credit: windy.com

Frühe Jännerbilanz

Mit ein wenig Mut können wir also schon jetzt eine erste Jänner-Bilanz machen: Es sieht ganz nach einem zu milden und zu trockenen Jänner aus. Da müsste das letzte Drittel dieses Jänners schon einen sehr massiven Wintereinbruch bringen, um das noch zu verhindern. Ist aber natürlich noch nicht ganz ausgeschlossen.

Sicher ist: Nach den ersten zehn Tagen ist dieser Jänner auf jeden Fall im Klimamonitoring der ZAMG (siehe Grafik) deutlich zu mild (knapp 3 °C über dem Mittel) und deutlich zu trocken (70 Prozent weniger Niederschlag als im Durchschnitt).

Bilanz der ersten zehn Tage: mild und trocken. Speziell im Bergland war es deutlich zu mild (linkes Bild). Zu trocken war es so gut wie überall (rechtes Bild). IN der österreichweiten Auswertung gab nur 30 Prozent der für die ersten zehn Jännertage durchschnittlichen Niederschlagsmenge. Credit: ZAMG

Und rundherum?

Aber wo ist der Winter, wenn er nicht bei uns ist? Weit, weit weg! Die nächste Woche sieht im Großteil Europas sehr mild aus. Der Index für Extremwetter zeigt zur Wochenmitte zum Beispiel selbst im Dänemark, Südschweden und im Bereich Estland, Lettland, Litauen ungewöhnlich warmes Wetter (siehe unten linke Grafik).

Eine ordentliche Ladung Neuschnee bringt die nächste Woche wahrscheinlich nur auf den Bergen von Schottland und im Westen von Norwegen (siehe Grafik unten rechts). Einige Zentimeter Neuschnee sind auch in den nördlichen Regionen von Schweden und in Finnland möglich.

Links: Abweichung von der Normaltemperatur am Mittwoch (15.1.). Rechts: Neuschnee-Summe der nächsten zehn Tage. Credit: windy.com

Extremer Eisregen in den USA

Blicken wir geografisch deutlich weiter in die Ferne, dafür zeitlich nicht so weit in die Zukunft, dann sehen wir sehr heftiges Ereignis in Teilen von Kanada und der USA noch an diesem Wochenende. Ein Wintersturm bringt hier starken Regen, starken Schneefall, Eisregen und möglicherweise auch Tornados. Die Auswirkungen werden wir (vor allem ab Sonntag) auch in den Nachrichten sehen und hören. Zum Beispiel könnte der Eisregen in Montreal und im Raum Detroit eine dicke Eisschicht auf Straßen, Bäumen und Stromleitungen verursachen. Die Folge wären massive Probleme auf den Straßen und großflächige Ausfälle der Stromversorgung.

27 Tage ohne Strom

Dicke Eisschicht auf Bäumen und Stromleitungen: der Eissturm 1998 in Kanada. Credit: NOAA/J.Jensenius

„Bei diesen Prognosen fällt uns Kanadiern sofort der Jänner 1998 ein“, schrieb heute ein Wetterkollege aus Montreal. Damals waren nach vier Eisstürmen in Serie mehr als drei Millionen Haushalte ohne Strom – einige davon 27 Tage lang!

Und was macht ein richtiger Kanadier in so einem Fall? Ein T-Shirt drucken: „I survived the great ice storm ´98!

Der Eissturm 1998 am T-Shirt. Credit: CyclePat [CC BY-SA (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)]

Vielen Dank für Deine Zeit mit der Wetterzeit. Ich wünsche ein schönes Wochenende und und gute neue Woche!