Von (fast) allem ein wenig

Die kommende Woche bringt auf den Bergen etwas Neuschnee, in vielen Regionen zeitweise kräftigen Wind und überall einen Wechsel von halbwegs normalen bis deutlich zu hohen Temperaturen. Ziemlich sicher ist: Ein massiver Wintereinbruch bis in tiefe Lagen ist nicht dabei.

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Die vergangene Woche hat in Österreich und in Mitteleuropa wie erwartet ruhiges Hochdruckwetter gebracht, mit viel Sonne und einigen zähen Nebelfeldern.

Das Hochdruckgebiet war sogar ungewöhnlich stark, mit Werten um 1050 hPa (hPa=Hektopascal, früher war die Einheit Millibar). Es reichte vom Atlantik über Großbritannien, die Benelux-Staaten, Deutschland und Österreich bis zur Adria. In vielen Ländern war der Luftdruck im Bereich der Rekorde.

Luftdruck in Wien nahe am Rekord

Credit: ORF/Konkret

Ein Beispiel: In Wien wurden vergangene Woche auf der Hohen Warte 1048 hPa gemessen, der Rekord stammt aus dem Jahr 1907 mit 1054 hPa (jeweils reduziert auf Meeresniveau). Ein so hoher Luftdruck kommt in Wien statistisch gesehen nur alle 20 Jahre vor.

Interessant war auch: Obwohl dieser hoher Luftdruck von den Auswirkungen her ein eher unspektakuläres Phänomen ist, gab es dazu relativ viele Medienanfragen. War eine nette Abwechslung, einmal nicht über Warnungen vor gefährlichem Wetter sondern über ruhiges und größtenteils schönes Wetter zu reden (Bild 1).

Der Sturm nach der Ruhe

Jetzt ist es mit der Ruhe am Atlantik vorbei. Sehr schnell ist ein sehr kräftiges Tiefdruckgebiet entstanden. Sein Zentrum liegt derzeit bei Island (siehe Bild 2). Im Bereich dieses Tiefs sind an diesem Wochenende Windspitzen um 160 km/h und Wellen mit zehn Meter Höhe zu erwarten. Ausläufer dieses Tiefs und ein in den nächsten Tagen neu entstehendes Sturmtief prägen das Wetter der kommenden Woche in Europa.

Stürmische Kim: Über dem Nord-Atlantik beherrschen in den nächsten Tagen Sturmtiefs das Wetter, wie derzeit Tief „Kim“. Hier sind Windspitzen um 160 km/h und zehn Meter hohe Wellen zu erwarten. Rot und Lila markieren die Gebiete mit höchsten Windspitzen. Credit: windy.com

Auf Europa wirkt sich diese Entwicklung unter anderem mit zwei Besonderheiten aus:

  1. Wind: In vielen Regionen, besonders im Westen und Norden Europas, wird es eine sehr windige, zum Teil auch stürmische Woche, vor allem von Großbritannien über die Benelux-Länder, Frankreich und Deutschland bis Skandinavien. Für Österreich sieht es in der ersten Wochenhälfte nur nach einem Streifschuss aus, ohne markante Sturmböen. Für die zweite Wochenhälfte sieht es derzeit auch bei uns zeitweise stürmisch aus, da ist die Prognose aber noch sehr unsicher.
  2. Westwetter: Diese Tiefdruckgebiete über dem Nord-Atlantik steuern Luft aus dem Westen und Südwesten zu uns. Das bedeutet: Kein massiver Kaltlufteinbruch in Sicht. Die kommende Woche bringt einen Wechsel aus normalen und deutlich zu milden Jänner-Temperaturen (siehe Bild 3). Regnen oder schneien wird es – wie meistens bei derartigen Wetterlagen – im Osten und Süden Österreichs wenig bis gar nicht. Auf den Bergen sorgen die von Westen eintreffenden Fronten immerhin für einige Zentimeter Neuschnee. Nach aktuellem Stand der Prognosen sind in den nächsten zehn Tagen in höheren Lagen rund 40 bis 60 Zentimeter Neuschnee möglich.
Atlantik-Luft in verschiedenen Variationen: Zeitweise mit normalen Winter-Temperaturen wie am Dienstag (Bild links), zeitweise sehr mild wie nach aktueller Prognose am Freitag (Bild rechts). Credit: windy.com

Start in den Februar mit 10 Grad?

Ein massiver Wintereinbruch bis in tiefe Lagen ist derzeit nicht in Sicht, selbst wenn wir uns den super-spekulativen Teil der Wetterkarten für die ersten Februartage ansehen. Da wären derzeit zum Beispiel für Montag den 3. Februar Nachmittagstemperaturen um 10 Grad zu erwarten.

Damit bliebe der Winter 2019/2020 auch weiterhin auf dem Weg zu einem insgesamt ungewöhnlich milden Winter. Mal schauen, ein wenig Zeit für Schnee und Kälte bleibt uns ja noch.

Danke für Deine Zeit mit der Wetterzeit – ich wünsche eine gute neue Woche!