Martini Sommer und New York Winter?

In der Wochenvorschau suchen wir das Ende des Südwest-Wetters, hinterfragen die Qualität von Martini-Vorhersagen und schauen uns an, wie viele Meter Neuschnee auf den Bergen zusammenkommen.

Aber zum Beginn blicken wir noch kurz zurück, um die letzte Wochenvorschau zu checken.

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Ein Thema der letzten Wochenvorschau war, dass der Start in den November relativ mild verlaufen wird. Das lässt sich mit einem Blick auf das Klimamonitoring der ZAMG leicht verifizieren, siehe Bild 1. Die Bilanz der ersten sieben Novembertage ist: um 1 °C wärmer als in einem durchschnittlichen November. Das hat also ganz gut gepasst.

Bild 1: Der November startete größtenteils mild. Der Zeitraum 1. bis 7. November war im Großteil Österreichs relativ mild (rote Farben). Nur stellenweise im Hochgebirge war es etwas kühler (blaue Farben) als im vieljährigen Mittel. Credit: ZAMG

Achtung bei „relativ mild“

Wobei – mit dem Begriff „relativ mild“ muss man jetzt im Herbst schon aufpassen, um keine falschen Erwartungen zu schüren. Denn auch wenn es ein paar Grad wärmer ist als im Mittel, bedeutet das nicht gleich ein Wetter zum kurzärmelig Draußensitzen. Ein Beispiel: Die durchschnittliche Höchsttemperatur liegt im November in Österreichs Landeshauptstädten zwischen 6 und 9 °C. Somit sind im November schon knapp über 10 °C „ein paar Grad zu mild“. Das ist aber alles andere als angenehm warm. Also, nicht täuschen lassen vom Begriff „relativ mild“. Ganz korrekt müsste es ohnehin heißen „über dem vieljährigen Durchschnitt“.

Das kennen wir doch

Damit sind wir schon beim Blick in die Zukunft, beim Blick auf die mögliche Wetterlage in der kommenden Woche.

Für Montag, Dienstag und Mittwoch zeichnet sich derzeit eine Wetterlage ab, die wir aus den letzten Wochen schon gut kennen: In der Gegend Großbritannien-Island halten sich kräftige Tiefdruckgebiete, die zeitweise auch in den Mittelmeer-Raum ziehen. Das bedeutet im Normalfall für den Alpenraum: eine Luftströmung aus Süd- oder Südwest und somit ein paar Grad milder als in einem typischen November. So sieht das auch für die kommende Woche aus. Mit einer Ausnahme: Den Westen Österreichs streift zeitweise relativ kühle Luft. Und Deutschland und die Schweiz dürften Dienstag, Mittwoch und Donnerstag überhaupt komplett in der etwas kühleren Luftmasse liegen. Siehe Bild 2.

Bild 2: Nächste Woche Kalt-Warm-Grenze quer duch Europa. Die kalte Luft erreicht nächste Woche nur wenige Regionen Österreichs. Die meisten Regionen bleiben auf der milden Seite der Kalt-Warm-Grenze. Credit: windy.com

Ab Freitag kräftige Föhnlage?

Für den Freitag (15.11.) zeigen die Vorhersagemodelle ein massives Tiefdruckgebiet über Frankreich. Wenn das so kommt, stellt sich über den Alpen eine sehr kräftige und sehr milde Südströmung ein, mit Föhn an der Nordseite der Alpen. Siehe Bild 3.

Ähnliches zeichnet sich momentan in mehreren Modellen für den Samstag (16.11.) ab. Die Signale ab Sonntag sind dagegen noch völlig wirr.

Im Großen und Ganzen dürfte es also auch in der kommenden Woche in Österreich bei größtenteils normalen oder leicht überdurchschnittlichen November-Temperaturen bleiben. Damit wird dieser November auch zur Halbzeit über dem Mittel liegen.

Bild 3: Viele Linien, viel Wind. Wenn das am Freitag wirklich so kommt, liegt Österreich in der sehr kräftigen Südströmung eine fetten Tiefs über Frankreich. Credit: windy.com

Der Martini-Sommer

Dieser relative milde Start in den November passt übrigens gut zu einer Untersuchung, die an der ZAMG für Wien gemacht wurde. Die Frage war: Gibt es Zeiten im Jahr, zu denen es oft zu warm oder oft zu kalt ist? Die Idee war, zu sehen, ob sich Wettersprüche wie Eisheilige, Schafskälte und Weihnachtstauwetter auch in den Klimadaten zeigen.

Ein Ergebnis der Untersuchung: Anfang November ist eine Zeit, in der es in vielen Jahren deutlich zu mild wird. Zu dieser Zeit kommen in der Temperaturkurve Ausreißer nach oben sehr häufig vor. Siehe Bild 4.

Bild 4: Wann gibt es die größte Chance auf „Ausreißer“? Singularitäten sind Zeiten im Jahr, zu denen es häufig deutlich zu warm oder deutlich zu kalt ist. Der Martini-Sommer Anfang November ist deutlich erkennbar. Credit: ZAMG

Das ist eine Tatsache, die auch unsere Vorfahren schon erkannt haben. Es gibt für die oft recht milde Zeit Anfang November, also rund um Martini am 11. November, sogar einen eigenen Begriff: Martini-Sommer. Das ist in Österreich vielleicht gar nicht so bekannt, aber in Wetterberichten der Schweiz und in Deutschland hört man das doch gelegentlich. Und wie die Klimadaten zeigen, ist der Martini-Sommer auch in Österreich ein Thema. Für nächste Woche ist allerdings das Wort „Sommer“ mehr als verwegen. Auch wenn es etwas wärmer als im Mittel ist, von sommerlich ist da keine Spur.

Bringt Martin einen harten Winter?

Wenn wir schon beim Martin sind, noch eine Ergänzung: Relativ schlecht sind die Bauernregeln, die vom Wetter am 11. November auf den Winter schließen. Zum Beispiel „Bringt St. Martin Sonnenschein, tritt ein harter Winter ein“.

Die Trefferquote dieser Bauernregel liegt für Österreich nur um die 50 Prozent, also im Bereich vom einfachen Raten.

Der Martini-Tag am kommende Montag entscheidet also nicht über den Winter – auch wenn es ein sehr sonniger Martini-Montag wird, wonach es derzeit Im Großteil Österreichs aussieht.

Und wieder 100 bis 200 Liter Regen

Bleiben wir gleich noch beim Wetter in der kommenden Woche: Für die Verteilung von Regen- und Schnee gibt es weiterhin einen klaren Schwerpunkt. Viel Regen gibt es weiterhin im Großteil des Mittelmeer-Raumes und an der Südseite der Alpen. Das ist typisch bei diesen ständigen Wetterlagen mit Mittelmeer-Tiefs und Südströmung.

In Teilen Süd-Europas zeichnen sich für die nächsten zehn Tage nochmals 100 bis 200 Liter Regen pro Quadratmeter ab, siehe Bild 5. Also ganz ähnlich wie in den letzten Wochen sind hier weiterhin Überschwemmungen und Muren möglich.

Bild 5: Regenschwerpunkt Süd-Europa. In den nächsten zehn Tagen kommen am Mittelmeer wieder 100 bis 200 Liter Regen pro Quadratmeter zusammen. Der Grund dafür sind die derzeit regelmäßig entstehenden Tiefdruckgebiete im Mittelmeer-Raum. Credit: windy.com

Und wieder 1 bis 2 Meter Schnee

Auf den Bergen dagegen ist es kalt genug für Schnee. In den Alpen, vor allem an der Alpensüdseite, und in den Pyrenäen können im Laufe der nächsten Woche nochmals ein bis zwei Meter Neuschnee zusammenkommen, siehe Bild 6.

Beachtlich sind auch die Neuschnee-Mengen nächste Woche im Süden Frankreichs, im Zentralmassiv. Hier zeigen die Prognosen selbst in 1000 Meter Seehöhe noch Neuschnee-Summen um die 50 Zentimeter. Das schaut derzeit auch einigermaßen verlässlich aus. Siehe Bild 6.

Wie weit es aber dann in Frankreich und in Italien bis in tiefe Lagen schneit, ist jetzt allerdings noch völlig unsicher.

Bild 6: Viel Schnee auf der „falschen“ Seite. In der Südhälfte Europas bringen die nächsten zehn Tage auf den Bergen ordentlich Neuschnee. In den Alpen und in den Pyrenäen kommen sogar ein bis zwei Meter Neuschnee zusammen. Credit: windy.com

Let it snow?

Dass langfristige Schneeprognosen in tiefen Lagen nicht sehr zuverlässig sind, dürfte derzeit vor allem in New York für Erleichterung sorgen. Für die Mitte der kommenden Woche sah es in New York vor kurzem noch nach 20 bis 30 Zentimeter Neuschnee aus. In den aktuellen Prognosen ist davon fast nichts mehr übrig. Aktueller Stand: Am kommenden Dienstag wird New York nur leicht angezuckert, mit ein bis zwei Zentimeter Neuschnee.

So, das war jetzt eine Wochenvorschau nicht nur weit in die nächste Woche hinein, sondern auch weit über Österreich hinaus, bis über den Atlantik – weil´s beim Wetter halt immer irgendwo irgendwas Spannendes gibt!

Vielen Dank für Deine Zeit mit der Wetterzeit. Ich wünsche ein schönes Wochenende und eine gute nächste Woche – mit oder ohne New York Schnee, mit oder ohne Martini-Sommer!